Denkort Bunker ValentinMit 420 Metern Länge, fast hundert Metern Breite und dreißig Metern Höhe ist der Bunker Valentin in Bremen vermutlich der größte seiner Art in Deutschland. Er ist ein monströses Zeugnis nationalsozialistischer Gewaltherrschaft: Der ehemalige U-Boot-Bunker Valentin in Bremen-Farge ist seit dem 08 Mai 2011 offiziell eine Gedenkstätte und trägt den Namen: „Denkort Bunker Valentin“.

Die Gedenkstätte wird die Spuren erschließen, die die Zeit von 1933 bis 1945 hier in Bremen-Farge hinterlassen hat. Es seien vor allem die vielen kleinen Spuren, die auf die grausamen Arbeitsbedingungen auf der damaligen Bunker-Baustelle, auf die unerträglichen Haftbedingungen der Menschen verweisen. Die Gedenkstätte soll helfen, eine Verbindung herzustellen zwischen den Menschen von heute und den Menschen damals, die hier zur Arbeit gezwungen wurden.

Seit Mitte Mai 2011 gibt es die ersten Führungen auf dem Gelände, allerdings erst mal nur für angemeldete Gruppen. Erst wenn ein Pfad in sicherem Abstand zur bröckeligen Fassade des betagten Bauwerks abgesteckt ist, sollen Besucher den Bunker auf eigene Faust erkunden können. Informationstafeln entlang des Rundwegs um den Bunker sollen später über die Entstehung von „Valentin“ und die katastrophalen Zustände in den Lagern um die Baustelle informieren.

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Dadurch sollen auch die kaum noch sichtbaren Spuren neben dem Koloss wieder in den Vordergrund rücken. Das Zementwerk, die kilometerlangen Schienenstränge, die nahe gelegene Außenstelle vom KZ Neuengamme und viele andere Schauplätze sind inzwischen verfallen und von der Natur überwuchert. Eine interaktive Ausstellung im Innern soll außerdem Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, die Geschichte des Bunkers von seiner Planung bis heute erzählen und die Rüstungspolitik im Dritten Reich beleuchten.

Im zweiten Weltkrieg sollten in dem Betonbunker bei Farge (Stadtteil im Norden von Bremen) U-Boote montiert werden. In dem 430 Meter langen und bis zu 35 Meter hohen Betonklotz an der Weser gegenüber der Huntemündung wollte Hitler das Schwert für den "Todesstoß gegen England" schmieden. Der U-Boot-Bunker wurde von 1943 bis 1945 mit dem Einsatz von 35.000 Gefangenen und Fremdarbeitern für 120 Millionen Reichsmark aus dem Boden der Niederung an der Weser "gestampft".

Erst ein Rundgang durch den Bunker und ein Aufstieg auf die Oberfläche macht die Zahlen glauben, die für die verwendeten Materialmengen genannt werden: 220.000 Tonnen Zement wurden in einer Zeit verbaut, in der für private Zwecke nicht einmal eine Kelle Mörtel zu haben war; 220.000 Tonnen, das sind 4,4 Millionen Sack, soviel wie für eine mittlere Stadt mit 10.000 - 12.000 Häusern gebraucht wird. Wollte man diese Massen Zement transportieren, müßten dafür 14.000 Eisenbahnwagen zur Verfügung stehen. Über eine Million Tonnen Kies und 27.000 Tonnen Stahl wurden im Bunker "Valentin" verbaut. Die Wände sind vier Meter dick. Die Fundamente gehen 15 Meter in den Boden und sind zwölf Meter breit. Die Decken bestehen aus einer 2,5 Meter starken Prellschicht aus nichtarmierten Beton und 4,5 Meter starken eisenbewehrten Schichten.

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Nach der Kapitulation versuchten die Alliierten, dem Klotz mit Bomben beizukommen. Von 87 Treffern durchschlugen nur zwölf Bomben und Luftminen schwersten Kalibers die Bunkerdecke. Kein Gedanke, dass sie den unter der Bunkersohle liegenden Luftschutzraum für 500 Personen gefährdet hätten.

Die geniale Planung des Bremer Professors Dr.-Ing. Arnold Agatz hatte alles für eine von der Außenwelt unabhängige U-Bootswerft bedacht. Es gab eigene Versorgungsanlagen für Brauchwasser und Trinkwasser, Frischluftzufuhren, Heizungsanlagen und Kraftwerke. Auf dem Schienenweg sollten die Sektionen für die Unterseeboote angeliefert und auf Montagebahnen mit Gerüsten und Arbeitsgruppen zusammengebaut werden. Am Ende der Montagebahn lag das 180 Meter lange und 30 Meter tiefe Tauchbecken. Der Montagewagen mit dem fertigen Boot sollte hineinfahren, das Becken dann geflutet und die Druck- und Tauchmanöver durchgeführt werden. 36.000 Tonnen Wasser fasste das Tieftauchbecken, zu dem eine Unterwasserverbindung zur Weser führen sollte. Pro Tag sollten vier U-Boote die gigantische Montagehalle verlassen.

Von den großen Plänen blieb nur ein narbenbedeckter Riese, mit dem keiner etwas anzufangen wusste. Auf dem Dach siedelten sich zwischen Bäumen und Sträuchern an wassergefüllten Trichtern ganze Vogelschwärme an. Durch die klaffenden Risse drang Wasser nach innen. Eine Sisyphusarbeit schien es, den Betonriesen nur vom Schutt zu säubern.

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Nach dem im Krieg künstlich gehaltenen Preisniveau mit 120 Millionen Reichsmark Kosten stellt "Valentin" heute immerhin ein Objekt im Wert von weit über einer halben Milliarde Euro dar. Ein "Weltwunder", von dem man berichtete, dass es 1945 auch Churchill besichtigte...

20 Jahre herrschte in dem einst als "achtes Weltwunder" bestaunten Bunker Friedhofsruhe, die nur durch Turmfalken, Krähen und Tauben gestört wurde. Seit 1964 wurde in dem von Bombentrichtern übersäten U-Boot-Werftbunker "Valentin" wieder gearbeitet. Im Herbst 1966 war es soweit, dass eine Hälfte des grauen Gemäuers der Bundeswehr als riesige Lagerhalle mit 21.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stand. Am 31.12.2011 wurde der Standort von der Bundewehr aufgegeben und seit Mai 2011 nahm die Gedenkstätte Denkort Bunker Valentin ihren Betrieb auf.

Buchtipp:
Wer sich "intensiver" mit dem Bunker und seiner Geschichte auseinandersetzen möchte, dem empfehlen wir die folgende Bücher:
Bunker "Valentin" - Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit Bremen-Farge 1943-1945
Autoren: Dieter Schmidt, Fabian Becker
Verlag: Edition Temmen - ISBN: 3-86108-288-8
Bunker »Valentin«
Autoren: Marc Buggeln
Verlag: Edition Temmen - ISBN: 3-83784-004-2
U-Boot Bunkerwerft ' Valentin': Der U-Boot-Sektionsbau, die Betonbautechnik und der menschenunwürdige Einsatz von 1943 bis 1945
Autoren: Rainer Christochowitz
Verlag: Donat - ISBN: 3-93483-605-4
 
Standort:
Denkort Bunker Valentin
Rekumer Siel 11, 28777, Bremen - Blumenthal

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Fotoquellen:
Bunker Valentin 01, 02, 03, 04, 05 - © Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot-Bunker_Valentin
Bunker Valentin 06,07, 08, 09 - © Denkort Bunker Valentin